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Die drei Adhs-typen im überblick

Die ICD-11 und die Diagnose ADHS

Seit 2022 gilt die ICD-11, das internationale Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation WHO. Darin gibt es nur noch eine Diagnose: ADHS. Was viele noch als "ADS" kennen, also ADHS ohne sichtbare Zappeligkeit, ist dort eine von drei Erscheinungsformen derselben Diagnose. Trotzdem kann auf dem offiziellen Papier deines Kindes noch "ADS" stehen. In Deutschland gibt es bisher keine offizielle deutsche Fassung der ICD-11, und Arztpraxen verschlüsseln übergangsweise teilweise noch nach der älteren ICD-10. Lass dich davon nicht verunsichern. Gemeint ist dasselbe.

Mir ist diese Änderung so wichtig, weil sie etwas sichtbar macht, das ich jeden Tag in der Schule erlebe: Das stille, verträumte Kind am Fenster kann genauso ADHS haben wie das Kind, das durch die Klasse wirbelt. Es fällt nur kaum jemandem auf. Diese Kinder stören nicht, sie bekommen gute Kopfnoten fürs ruhige Verhalten, und genau deshalb fragt oft jahrelang niemand nach, wie viel Kraft sie das eigentlich kostet.

1. Vorwiegend unaufmerksam

Das sind die Kinder, die am häufigsten übersehen werden. Sie träumen weg, verlieren mitten in der Aufgabe den Faden, vergessen den Turnbeutel und brauchen gefühlt ewig für den Arbeitsauftrag. Von außen wirken sie ruhig und angepasst. Gerade Mädchen zeigen ADHS oft in dieser Form und bekommen ihre Diagnose deshalb viel später, manche erst als Erwachsene.

2. Vorwiegend hyperaktiv-impulsiv

Hier zeigt sich ADHS vor allem im Körper und im Handeln. Diese Kinder können schwer still sitzen, platzen mit Antworten heraus, unterbrechen andere und handeln, bevor der Gedanke zu Ende gedacht ist. Sie bekommen schnell den Stempel "frech" oder "unerzogen", obwohl ihr Gehirn die Bremse einfach später zieht.

3. Kombiniert

Hier treffen beide Seiten aufeinander. Das Kind ist unaufmerksam und gleichzeitig unruhig und impulsiv. Viele Kinder mit ADHS-Diagnose zeigen diese Mischform.

Hyperaktivität kann auch unsichtbar sein

Das ist mir besonders wichtig: Hyperaktivität muss nicht nach außen sichtbar sein. Bei manchen Kindern spielt sie sich fast ganz im Inneren ab. Der Körper sitzt still auf dem Stuhl, während im Kopf die Gedanken rasen und das Kind innerlich kaum zur Ruhe kommt. Manchmal verrät sie sich nur durch kleine Dinge, etwa ständiges Knibbeln, Wippen mit dem Fuß, viel Reden oder Erschöpfung am Nachmittag. Wer nur auf das sichtbare Zappeln schaut, übersieht diese Kinder. Wichtig ist auch das kleine Wort "vorwiegend". Kein Kind passt zu hundert Prozent in eine Schublade, und die Erscheinungsform kann sich im Laufe der Jahre verändern.

Die drei Erscheinungsformen von ADHS

Welcher Typ ist mein Kind?
Meine Checklisten für dich

Für jede der drei Formen habe ich eine Checkliste mit den zehn häufigsten Merkmalen erstellt. Sie helfen dir, deine Beobachtungen zu sortieren und Worte für das zu finden, was du bei deinem Kind siehst:

Ich bin keine Therapeutin und keine Ärztin. Die Checklisten sind kein wissenschaftlich geprüfter Test und ersetzen keine Diagnose. Für eine Abklärung ist die Kinder- und Jugendarztpraxis deine erste Anlaufstelle.

Quelle:
Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11, Code 6A05 "Attention deficit hyperactivity disorder". Abrufbar unter https://icd.who.int/en (Suchbegriff: 6A05)
Quinn, P. O. & Madhoo, M. (2014): A review of attention-deficit/hyperactivity disorder in women and girls. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4195638
Young, S. et al. (2020): Females with ADHD: An expert consensus statement. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7422602

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